Einmal quer durch Finnland und wieder zurück


Vorgeschichte

 

Anfang September 2015 bekam ich die Zusage bei einer Reisedokumentation als Redakteurin mitwirken zu dürfen. Das Ziel war Finnland!

Problem 1 - ich hatte nur eine Woche Zeit alle Vorbereitungen zu treffen - denn Mitte September sollte es schon losgehen

Problem 2 - ich durfte nur eine kleine Reisetasche + Rucksack packen (für 4 wochen) !!!!

Problem 3 - ich hasse Kälte

Problem 4 - Wir waren ein Team von 6 Leuten - Zwei davon kannte ich schon - die restlichen Drei waren Unbekannte

Problem 5 - von Deutschland aus fuhren wir mit der fähre nach Finnland (aus meinem Seychellenbericht wisst ihr wahrscheinlich schon, dass ich ganz schnell seekrank werde)

Problem 6 - so viele Probleme - so wenig Zeit Diese zu beseitigen :D

 

Und genau Punkt 6 machte aus diesen zuerst erscheinenden Problemen eigentlich nur kleine Herausforderungen!

 

Anreise

 

Tag x war gekommen und es wurde Zeit aufzubrechen. Reisetasche und Rucksack waren gepackt. Dank einer super Methode, zu der ich euch demnächst ein Video drehen werde, habe ich alles mitnehmen können von dem ich der Meinung war ich würde es brauchen.

Von Salzburg aus ging es mit 2 Autos nach Travemünde - nach etlichen Stops sind wir dann Abends um 21:00 Uhr (nach ca. 10 stunden Fahrt) endlich am Hafen angekommen.

Unsere Fähre die Finnlines verlies den Hafen gegen 3:00 Uhr morgens - Gottseidank! denn da habe ich bereits geschlafen und bekam die ganze Nacht nichts von den Wellen mit.

Tja aber der nächste Morgen war schneller da als gewünscht und mit ihm auch meine Seekrankheit! :(

Wir hatten eigentlich wunderschönes Wetter und wenig Seegang aber das reichte für mich schon aus - nach einer Tablette ging es mir dann aber schon ganz schnell wieder besser und es war zeit fürs Frühstück!

Oh mein gott - die Menge und Vielfalt hat mich fast erschlagen und dazugeführt dass ich 2 Stunden nur am Essen war :D

Schon hier wusste ich - Finnland wird mich dick machen :D

Den restlichen Tag verbrachten wir mit Sonnen am deck, Abendessen und etwas Arbeit :)

 

Helsinki

 

Pünktlich um 8:00 Uhr legte das Schiff am Hafen von Helsinki an, leider bei verregnetem und grauem Himmel - jedoch weniger kalt als ich erwartet hatte.

Zu Helsinki kann ich euch leider nicht viel sagen, hier verbrachten wir nur eine Nacht im sehr sehr schönen radisson blu seaside hotel und waren Abends sehr lecker Essen.

Am nächsten Morgen ging es auch schon sehr früh los - eine Gruppe holte unseren Wohnwagen ab und die restlichen fuhren mit dem Zug direkt nach Rovaniemi!

 

Rantasalmi

 

Ich war beim Wohnwagentrupp dabei und wir machten uns quer durch Finnland auf den Weg nach Rovaniemi. Mit einem Übernachtungsstop in Rantasalmi.

Spät Abends erreichten wir unsere Unterkunft und wurden mit einem Schlag ins Mittelalter versetzt! Ich habe hunderte Hotels und Unterkünfte schon gesehen und in vielen genächtigt ABER das hier war einfach unglaublich. Das Gebäude war ein Meer aus Kerzen, das Personal war komplett mittelalterlich gekleidet, ganz leicht im Hintergrund hörte man alte Musik und die Einrichtung bestand aus Holz und Stein. Ich fühlte mich wie noch nie bisher, dieses "Hotel" hatte eine dermaßend beruhigende Atmosphäre, dass sogar ich der Zappelfilip und hektischste Mensch überhaupt zur Ruhe kommen konnte. järvisydän Hotel & Spa restort

Gelegen an einem wunderschönen See, umgeben von Wäldern bietet das Järvisydän auch viele Adventuretouren an. Leider hatten wir keine Zeit Diese zu testen. Die Anfahrt zum Hotel ist etwas holprig da keine asphaltierte Straße hinführt und es etwas abgelegen ist aber auch das trug zu diesem Besonderen Feeling bei, man fühlte sich als wär man in ein anderes Zeitalter gereist.

Und das Essen wie eigentlich in ganz Finnland war unfassbar gut! - Unbedingt Elchfleisch probieren!!!

 

Rovaniemi

 

Das Weihnachtsdorf am Polarkreis!

Von Rantasalmi ging es dann auf nicht enden wollenden Landstraßen nach Rovaniemi. Hier ein kleiner Tipp am Rande: Achtet darauf immer genug Sprit zu haben. Ich spreche aus Erfahrung. 50 Kilometer vor Rovaniemi ging uns Dieser nämlich aus und Weit und Breit war nirgendwo eine Tankstelle zu sehen! :) Letzen Endes ging aber doch alles gut aus und wir erreichten wiedermal spät Abends, Rovaniemi.

Rovaniemi ist für finnische Verhältnisse eine ziemlich große Stadt mit ca. 60.000 Einwohnern.

Nächtigen durften wir in wünderschönen Cottages, direkt an einem Fluss gelegen. Der aber in meinen Augen ein See war, fließen sah ich hier Nichts, und das Wasser war spiegelglatt. :) Chalet hotel Rovaniemi

Wenn man in Rovaniemi ist dann ist es Pflichtprogramm Santa Claus zu besuchen. Der hat hier sein eigenes kleines Dorf - mit vielen vielen Souveniershops die alle das Gleiche anbieten zu abnormalen Preisen ;) dennoch trübte dies den Besuch bei Santa nicht, er war super authentisch und ich fühlte mich wie ein kleines Kind. Apropos Kind - ich denke für die kleinen Zwerge muss das, dass ultimative Erlebnis sein! Schon der Weg zu Santa führt durch ein großes Schlaraffenland und befindet sich auf 2 Stockwerken. Santa hat auch hier all seine Rentiere mit denen er dann zu Weihnachten losfliegt um uns Alle mit Geschenke zu beliefern. Wir durften auch ins Gehege und diese wunderschönen Tierchen füttern und streicheln.

Im Haupthaus gibt es auch ein kleines Restaurant, dass einem österreichischen Auswanderer gehört. Wenn ihr dort seid unbedingt vorbeischauen. Ganz liebe Leute mit den besten Burgern.

Nach einigen arbeitsreichen Tagen in Rovaniemi war es dann auch an der Zeit wieder weiterzuziehen!

 

Hetta

 

Hoch in den absoluten Norden. Schon alleine die Fahrt nach Hetta war super aufregend - minütlich begegneten wir freilaufenden Rentieren, oft blockierten sie die Straßen und wir mussten stehen bleiben und abwarten bis sich die verehrten Tiere wieder in die Wälder begaben.

Besonders faszinierend war wie sich die Natur von Kilometer zu Kilometer verändert hat. Mein Produktionsleiter meinte, es sähe genau aus wie in Kanada - hmm war leider noch nie dort also kann ich das so nicht bestätigen aber auch nicht anfechten. :)

Hetta is ein Ort in der Gemeinde Enontekiö und hat ca. 800 Einwohner. In Hetta gibt es einen Lebensmittelladen und ein paar kleinen Stores,, die reichen von handgemachten Schnitzereien bis zu edlem handgefertigtem Samischmuck. Die Samis sind ein indigenes Volk im Norden Finnlands. Sie sind noch zurückhaltender als die Finnen selbst und man knüpft sehr schwer in Kontakt. Wir hatten aber das Glück eine Samifrau zu treffen und uns auch mit ihr über das Volk und deren Heiler und Schamanen zu unterhalten.

Für die Wanderer unter euch bietet Hetta und Umgebung was das Herz begehrt! Auch hier hab ich eine tolle Ansprechperson: die liebe Riika. Sie bietet auch deutschsprachige Touren und Survivaltranings an :) - ebenso hat Riika bei sich zu Hause in Muonio eine kleine Kräuterstube, es gibt leckere selbstgemachte Tees, Salze usw. wild river nature adventures

Achja und gefroren habe ich bis jetzt noch gar nicht - hab ich mir umsonst Sorgen wegen der Kälte gemacht? Wir hatten eigentlich durchgehend über 10 Grad bei sehr trockener Luft.

Tja da waren wir noch nicht in Salla ;)

 

Salla

 

Salla gehört zum finnischen Lappland und liegt an der Russischen Grenze.

Salla war für ein besonderes Highlight da wir als einige wenige "Ausländer" bei einer Rentierzählung dabei sein durften. Rentiere sind in Finnland nämlich kein Wild und jedes Rentier hat einen Besitzer. Bei einer Renzierzählung versammeln sich die Besitzer und treiben die Tiere in Herden zu einem "geheimen Platz" dort werden sie markiert und auch ausgemustert wer gegessen wird und wer nicht. Leider werden Rentiere nur gezüchtet um danach gegessen oder anderwertig verwertet zu werden - zb. zu Schuhen, Fellen usw. ;(

Die nächsten Tage sind wir sehr viel gewandert in der Hoffnung auf Bären zu treffen, leider erfolglos.

Hab ich eigentlich schon erwähnt dass es in Finnlands Wäldern erlaubt ist offenes Feuer zu machen und einfach mal so an einer gemütlichen Feuerstelle zu grillen? Dies machten wir auch an unserem letzten vollen Tag in Salla.

In der letzten Nacht ging dann Einer meiner "Finnlandwünsche" in Erfüllung - POLARLICHTER. Ich kann euch dieses Gefühl gar nicht beschreiben aber ich weiß nur, dass ich am ganzen körper Gänsehaut hatte und platzen wollte vor Freude :). Über den ganzen Himmel zog sich ein grüner Schleier und ich stand über 45 Minuten, Mitten in der Nacht, bei Eiseskälte und nahm nichts Anderes mehr wahr als dieses atemberaubende Naturschauspiel.

Ein krönender Abschluss für eine tolle Reise.

 

Abreise

 

Mit dem Nachtzug nach Helsinki!

Die Schlafkabinen waren echt sehr sauber aber miniklein :) Platzangst hallo - ohje ihr werdet jetzt denken die hat ja vor allen Fortbewegungsmitteln Angst - nein das stimmt aber nicht, Autofahren find ich ganz gut, den Rest dann aber weniger :)

Ja irgendwann war auch diese Nacht zu Ende und ich beschloss in der Früh mir eine Tüte mit allen wichtigen Dingen zusammenzustellen wie zb. Autoschlüssel, diverse Dokumente, Haarbürste usw.

In Helsinki angekommen konnte ich es nicht erwarten aus den kleinen Kabinen rauszukommen und beeilte mich aus dem Zug auszusteigen. nach ca. 5 Minuten merkte ich dann - Sch***** ich hab die Tüte im Zug liegen lassen. :(

Tja der war schon weg und leider konnten die Mitarbeiter am Infopoint, trotz deren Bemühungen, meine Tüte nicht mehr finden!

Aber ich sehe es positiv - jetzt ist ein kleiner Teil von mir für immer in Finnland geblieben!

Hätte ich gewusst was für eine Überfahrt mich diesmal mit der Fähre erwartet dann wäre ich besser auch in Finnland geblieben!

An Deck blies der Wind bei stehendem Schiff schon so dermaßen stark, dass wir uns Draussen gar nicht mehr aufhalten konnten. Ok erstmal Tablette gegen Seekrankheit, dann wird das schon - ja für eine kurze Weile hat es auch was gebracht und ich konnte einschlafen. Irgendwann gegen halb 10 Uhr Abends wurde ich dann durch den starken Wellengang und undefinierbaren Geräuschen (ich dachte das Schiff fällt auseinander) aus dem Schlaf gerissen.

So und ab jetzt bitte alle diese peinliche Aktion bildlich vorstellen:

Ich sprang aus dem Bett, wickelte mir meine Decke um und lief so schnell ich konnte an Deck 12 - dort gab es eine Bar (die zu dem Zeitpunkt leider voll war). So stand ich in meine Decke gewickelt, die Panik in den Augen geschrieben und steuerte den Kellner an um ihn um Hilfe zu bitten. Ich weiß gar nicht bei was er mir hätte helfen können aber er war ein toller Gesprächspartner und hat mich beruhigt und gemeint es wäre alles halb so schlimm - jedoch fühlte sich das für mich wirklich nicht so an, denn überall hörte man die Gläser klirren und man merkte jeden Aufschlag wenn man von der Welle aus der Luft wieder auf die Meeresoberfläsche gestoßen wurde.  Mir blieb aber nichts Anderes übrig als mich wieder Schlafen zu legen - vom Schiff konnte ich ja nicht. ;)

Beim Frühstück habe ich dann erfahren, dass wir Windstärke 8 hatten - Sturm und Wellen höher als 4 Meter!

Aber hey ich hab es überlebt und bin im Nachhinein glücklich diese Erfahrung gemacht zu haben.

 

Allgemein


Nehmt euch in Acht vor den Moskitos - ich bin fast ausgeflippt :)

 

Denkt euch nichts wenn ihr in den Lebensmittelläden die Leute auf Automaten Glücksspiele spielen seht - die Finnen sind verrückt nach Glücksspiel und in jedem kleinen Dorf gibt es entweder einen Laden oder ein Restaurant mit einem Spielautomaten.

 

Die Finnen sind ein sehr zurückhaltendes Volk - die brauchen etwas um aufzutauen.

 

In 4 Wochen Finnland habe ich nicht einmal schlecht gegessen! Und ich bin sehr wählerisch :)

 

Ich hoffe irgendwann mal im Winter nach Finnland zurückzukommen!



Finnland Bildergalerie


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